Handelsverbände warnen: Paketsteuer droht Onlinehandel in Atemnot zu versetzen
Paketabgabe würde Onlinehandel und Konsumenten stark belasten
Wien — Die geplante Paketsteuer, mit der die Regierung Marktplätze und große Webshops ab 1. Oktober 2026 zur Kasse bitten will, löst scharfe Proteste der heimischen Handelsbranche aus. Händler und Branchenvertreter warnen vor spürbaren Preiserhöhungen, Jobverlusten und einer Schwächung der heimischen Wirtschaft.
Nach Angaben des Handelsverbands und führender Onlinehändler würde die Abgabe viele Bestellungen verteuern: Fast jedes Paket könnte um rund zwei Euro teurer werden. Branchenvertreter rechnen damit, dass etwa 80 Prozent der Mehrkosten letztlich die Kundinnen und Kunden tragen. Zugleich würden zahlreiche heimische Anbieter Umsatz und Marktanteile an ausländische Konkurrenten verlieren.
Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will warnt in der Debatte davor, dass die Steuer nicht die erhofften Einnahmen in voller Höhe bringen und chinesische Anbieter der Abgabe weitgehend entgehen könnten. Laut einer Analyse drohten durch die Abgabe und damit verbundene Umsatzverschiebungen jährlich Verluste für die Wirtschaftsleistung in Höhe von bis zu 360 Millionen Euro und ein Wegfall von rund 2 870 Arbeitsplätzen im Handel.
Auch Harald Gutschi, Geschäftsführer von Otto Austria, meldet sich zu Wort und fordert klaren Widerstand. Er betont, dass die Maßnahme nicht nur große Konzerne treffe, sondern auch zahlreiche Kleinst- und Kleinbetriebe, die gemeinsam Millionen an Wertschöpfung beisteuern könnten, verlieren würden. Gutschi kündigt an, im Falle eines Inkrafttretens gegen Steuerbescheide gerichtlich vorzugehen und einen langen Rechtsstreit bis hin zu Höchstgerichten nicht auszuschließen.
Branchenübergreifende Kritik
Die Kritik reicht von etablierten Versandhändlern über Plattformbetreiber bis hin zur Start-up- und Reuse-Szene. Anbieter von generalüberholten Geräten und Secondhand-Plattformen warnen, dass geringere Margen sie besonders hart treffen würden und das Geschäftsmodell in Österreich dadurch gefährdet sei. Viele Unternehmen sehen zudem Unklarheiten bei der Auslegung der Umsatzgrenze von 100 Millionen Euro, etwa im Umgang mit Kommissionen oder Versicherungsleistungen.
- Erwartete Einführungszeit: 1. Oktober 2026
- Geschätzte Belastung pro Paket: rund 2 Euro
- Prognostizierter Verlust an Handelsarbeitsplätzen: rund 2 870
- Möglicher jährlicher Rückgang der Wirtschaftsleistung: bis zu 360 Millionen Euro
Das parlamentarische Begutachtungsverfahren ist beendet; die Mehrheit der Stellungnahmen fiel kritisch aus. Neben wirtschaftlichen Einwänden werden auch verfassungs- und unionsrechtliche Bedenken ins Feld geführt. Das Wirtschaftsministerium äußerte zudem Bedenken hinsichtlich Vollzug und Auslegung insbesondere bei Retouren und Ersatzlieferungen.
In Wien und anderen österreichischen Städten formiert sich deshalb Widerstand: Händler, Branchenverbände und Plattformbetreiber fordern eine Nachbesserung oder gänzliche Rücknahme der geplanten Abgabe. Sollte das Gesetz dennoch kommen, kündigen mehrere Akteure rechtliche Schritte an, um die Regelung juristisch überprüfen zu lassen.
Unklar bleibt, ob die Paketsteuer tatsächlich die angestrebten Finanzmittel in der erwarteten Höhe liefern wird. Kritiker bezeichnen die Abgabe als ungeeignet, um internationale Wettbewerbsverzerrungen zu beseitigen, und warnen vor negativen Effekten auf Investitionen, Arbeitsplätze und die Innovationskraft des heimischen Onlinehandels.

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