Galeria ringt um Finanzierung und bereitet harten Sanierungskurs vor
Galeria sucht Kredit und stellt sich auf radikale Einschnitte ein
Düsseldorf. Der Warenhauskonzern Galeria steht erneut unter massivem Finanzdruck und verhandelt weiterhin mit dem Finanzierungsarm des US-Unternehmens Gordon Brothers über eine Überbrückungsfinanzierung. Die Gespräche, die bereits Anfang Mai beendet sein sollten, dauern an und werden von harten Bedingungen begleitet.
Dem Konzern soll ein Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro angeboten worden sein. Das Geld ist jedoch an einen strikten Sanierungsplan gekoppelt, der den Abbau von Stellen und die Schließung zahlreicher Standorte vorsieht. Zudem dürfte ein Großteil der Mittel zunächst zur Ablösung bestehender Verbindlichkeiten genutzt werden, so dass nur ein kleiner Teil für Investitionen in Sortiment und Modernisierung verbleiben würde.
Refinanzierung statt frisches Eigenkapital
Zurückzuführen ist die angespannte Lage auch auf das bislang ausgebliebene frische Eigenkapital der Eigentümer Bernd Beetz und Richard Baker, die Galeria 2024 übernommen hatten. Stattdessen floss Kapital über einen Kredit des Investors Bain, der zuletzt aufgestockt wurde. Teile dieses Kredits sollen nun durch das Angebot von Gordon Brothers ersetzt werden, womit schon ein bedeutender Anteil des neuen Rahmens gebunden wäre.
- Verhandelter Kreditrahmen: bis zu 160 Millionen Euro
- Ablöse bestehender Bain-Finanzierung: bisher berichtet bis zu 80 Millionen Euro
- Monatliche Mietbelastung: rund 25 Millionen Euro
Rückstände bei Mietzahlungen und Lieferanten
Galeria steht eigenen Angaben zufolge in Gesprächen mit relevanten Stakeholdern, doch Vermieter berichten von Mietrückständen. Teilweise seien Mieten nur verspätet beglichen worden. Die hohe Fixmietbelastung macht vielen Häusern das Geschäft schwer: Experten sehen einen wirtschaftlich tragbaren Mietanteil am Umsatz deutlich unter zehn Prozent, bei Galeria liege dieser Anteil nach Insiderangaben häufig bei bis zu 15 Prozent.
Auch Lieferanten signalisierten Unsicherheit: Bestellungen seien zurückgefahren, manche Rechnungen gekürzt oder nicht bezahlt worden. Für die kommende Herbst- und Wintersaison soll es Berichten zufolge nur unverbindliche Ordersignale gegeben haben, was die Versorgungslage zusätzlich belastet.
Sanierungsplan und mögliche Schließungen
Als Bedingung für die Kreditvergabe soll Gordon Brothers einen umfassenden Sanierungsplan verlangen. Interne Prüfungen sprechen von weiteren rund zwei Dutzend Filialen, die als Potenzialfilialen gelten und nur mit erheblichen Zugeständnissen der Vermieter weiter betrieben werden könnten. Damit stünden mehr als 30 der heutigen 83 Filialen zur Debatte.
Filialschließungen sind teuer: Neben laufenden Kosten fallen Abfindungen und Sozialpläne an. Unternehmenskreise rechnen je Standort mit mindestens rund einer Million Euro an Kosten, in großen Städten wie Berlin könnten Beträge deutlich darüber liegen.
Externe Prüfung statt klassischem Gutachten
Der Sanierungsplan soll in Zusammenarbeit mit der Beratung Alix Partners erarbeitet werden. Anders als bei vielen Restrukturierungen scheint es sich nicht um ein Fortführungsgutachten nach dem Standard S6 zu handeln, sondern um ein sogenanntes Independent Business Review, das die geplanten Maßnahmen für die kommenden drei Jahre kritisch prüft. Gordon Brothers dürfte zudem die Warenbestände genau prüfen und diese gegebenenfalls als Sicherheiten nutzen.
Das Risiko einer weiteren Insolvenz
Für Galeria ist eine erneute Insolvenz kaum eine realistische Option. Das Unternehmen befindet sich noch bis Ende Juli 2027 in Planüberwachung aus der dritten Insolvenz, weshalb erneut gezahltes Insolvenzgeld sehr unwahrscheinlich wäre. Deshalb hängt vieles davon ab, ob der angestrebte Neustart mit externer Kreditfinanzierung gelingt.
Galeria und Gordon Brothers äußerten sich nicht öffentlich zu den Verhandlungen. Konzernvertreter betonen lediglich, dass konstruktive Gespräche mit den relevanten Stakeholdern geführt würden. Für Mitarbeiter, Vermieter und Zulieferer bleibt die Lage angespannt, während das Unternehmen versucht, Zeit zu gewinnen und zugleich einen tiefgreifenden Umbau durchzusetzen.