Tegut-Verkauf setzt Beschäftigte und Höfe unter Druck
Verkauf von Tegut löst Verunsicherung bei Beschäftigten und Landwirten aus
In Fulda und in ganz Hessen wächst die Sorge nach der angekündigten Veräußerung der Supermarktkette Tegut. Der Schweizer Mutterkonzern Migros will sich aus Deutschland zurückziehen, viele Filialen sollen an große Handelsketten gehen. Für die rund 7.500 Beschäftigten, für regionale Landwirte und für Stammkundinnen und -kunden steht damit eine Zeit der Umbrüche bevor.
Wer übernimmt welche Märkte und welche Fragen bleiben offen
Nach den bislang bekannt gewordenen Plänen will Edeka rund 200 der etwa 300 Tegut-Filialen übernehmen, Rewe etwa 40 Märkte. Die Smart-Store-Kette Tante Enso hat Interesse an bis zu 36 Standorten angemeldet, auch Aldi Nord zeigt Interesse an einzelnen Filialen. In dem Paket enthalten sind zudem das Logistikzentrum in Michelsrombach, die Smart Retail Solutions mit den Teo-Minimärkten und eine Bäckerei in Herzberg. Alle Übernahmen stehen unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.
Gefahr für Tarifbindung und Arbeitsplätze
Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einem Rückgang der Tarifbindung. Bisher sind rund zwei Drittel der Tegut-Märkte im Eigenbetrieb geführt, ein Drittel von selbstständigen Kaufleuten. Verdi befürchtet, dass mit einem Übergang an große Handelsketten die tariflichen Standards und damit die Löhne unter Druck geraten könnten. Wie viele Beschäftigte tatsächlich bei neuen Eigentümern bleiben werden, ist bislang unklar. Edeka und Rewe betonen, sie sähen Perspektiven für die Mitarbeitenden, und auch Tante Enso verspricht Beschäftigten Fortbestandsperspektiven. Der Betriebsrat verhandelt derzeit intensiv mit der Geschäftsführung.
Regionale Lieferketten vor Belastungsprobe
Besonders Landwirte in Osthessen zeigen sich besorgt. Der Hessische Bauernverband warnt, dass weniger regionale Absatzpartner Schlüsselmärkte für Schweinehalter und andere Erzeuger schmälern und die Verhandlungsposition der Höfe verschlechtern könnten. Einige Betriebe im Raum Fulda hätten sich bislang stark auf Tegut und auf die Marke Landprimus verlassen und suchen bereits aktiv nach Alternativen. Der Verband fordert rasche Klarheit über bestehende Lieferverträge und mahnt, dass Regionalität und faire Erzeugerpreise nicht verloren gehen dürfen.
Warum Migros Tegut abgeben will und was das für Kunden heißt
Migros begründet den Schritt mit einem verschärften Wettbewerbsumfeld und rückläufigen Umsätzen trotz umfangreicher Sparmaßnahmen. Tegut habe sich mit dem Fokus auf Bio- und Premiumsortiment und der vergleichsweise kleinen Unternehmensgröße zunehmend schwergetan, dauerhaft wirtschaftlich zu bestehen. Für Verbraucherinnen und Verbraucher im Bundesland bedeutet das, dass die bekannte Marke Tegut in absehbarer Zeit verschwinden und viele Supermärkte unter neuer Flagge weitergeführt werden dürften. Ob Käufer die bisherige Ausrichtung auf Regionalität und Bio-Produkte übernehmen, bleibt offen.
Für die kommenden Wochen ist entscheidend, ob das Bundeskartellamt den Übernahmen zustimmt und wie schnell neue Betreiber Klarheit für Beschäftigte und Lieferanten schaffen. Für viele Menschen in der Region hängt daran nicht nur die Frage nach dem nächsten Einkauf, sondern auch die wirtschaftliche Perspektive ganzer Höfe und Arbeitsplätze.

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