Existenzangst im Einzelhandel: Rekordanteil der Händler fürchtet Pleite
Jeder sechste Händler sieht seine Existenz bedroht
München, 11. Mai 2026 − Die anhaltende Wirtschaftskrise trifft den deutschen Einzelhandel mit voller Wucht: In der aktuellen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts schätzten 17,4 Prozent der befragten Händler ihre Lage im April als existenziell bedroht ein, ein Höchstwert seit Beginn der Erhebungen.
Haupttreiber der dramatischen Entwicklung ist die andauernde Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Hinzu kommen der wachsende Marktanteil des Onlinehandels und der zunehmende Druck durch preisaggressive Anbieter aus dem Ausland. Das Ergebnis ist eine Kettenreaktion entlang der Lieferketten: Wenn Kunden ausbleiben oder Aufträge storniert werden, geraten Zulieferer, Dienstleister und Logistikpartner gleichermaßen unter Druck.
Mehrere Ursachen verschärfen die Lage
Unternehmen aller Branchen nennen fehlende Aufträge, schwache Nachfrage sowie steigende Betriebs- und Energiekosten als wesentliche Belastungen. Bürokratie und Liquiditätsengpässe verschärfen die Lage vieler Betriebe zusätzlich. Besonders betroffen sind neben Einzelhändlern auch Dienstleister wie Personalagenturen und Werbeagenturen: Laut Ifo sehen sich 21,4 Prozent der Zeitarbeitsfirmen und über 14 Prozent der Werbe- und Marktforschungsunternehmen in ihrer Existenz bedroht.
Die Folgen sind spürbar: Große Kunden reduzieren Leiharbeitskräfte und PR-Ausgaben, Lieferketten werden ausgedünnt, und Insolvenzen ziehen weitere Zahlungsstörungen nach sich. Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe warnte eindringlich: «Die Krise überträgt sich entlang der Lieferketten. Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht.»
Ausblick bleibt trüb
Ökonomen erwarten, dass die Zahl der Insolvenzen in den kommenden Monaten hoch bleibt. Solange die Unsicherheit in der Weltwirtschaft und die Sparneigung der Verbraucher anhalten, droht der Einzelhandel weiter unter Druck zu bleiben. Für viele kleine und mittelgroße Ladenbetreiber steht damit nicht nur das laufende Geschäft, sondern die langfristige Existenz auf dem Spiel.
Politische Entscheidungsträger und Branchenvertreter fordern kurzfristige Entlastungen und zielgerichtete Unterstützungsmaßnahmen, um die Kettenreaktion zu brechen und die Widerstandsfähigkeit der Lieferketten zu stärken. Ohne solche Maßnahmen droht eine tiefere Verflechtung von Krise und Strukturwandel im deutschen Handel.

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