Paradoxon im Handel 2026: Mehr Lehranfänger, aber schrumpfendes Angebot
Handel stellt wieder zahlreiche Auszubildende ein, trotzdem schrumpft das Lehrstellenangebot
Deutschlandweit melden große Handelsketten zum Ausbildungsstart tausende Berufseinsteiger. Lidl hat zum 1. August rund 3000 neue Auszubildende unter Vertrag genommen, Netto vermeldet 1700 Neueinstellungen, Aldi Nord mehr als 1100 und regionale Unternehmen wie Wasgau begrüßen Dutzende junge Nachwuchskräfte. Die Bilanz wirkt auf den ersten Blick positiv.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch ein anderes Bild: Das gesamte Lehrstellenangebot ist in diesem Jahr um 35 000 auf 437 000 Plätze geschrumpft. Bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern haben sich seit Oktober 2025 insgesamt 418 000 Bewerber registriert, vier 000 mehr als im Vorjahr. Bis Juli 2026 konnten 126 000 Bewerber eine Ausbildung beginnen, das sind 11 000 weniger als im gleichen Zeitraum zuvor. Rund 147 000 junge Menschen haben bislang noch keinen Ausbildungsplatz gefunden.
Die Diskrepanz ist offensichtlich: Zwar stellen Handelsunternehmen gezielt Nachwuchskräfte ein, dennoch bleiben 162 000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Die Bundesagentur für Arbeit verweist darauf, dass sich der Markt im Juli noch in Bewegung befand. Personalverantwortliche und Bildungsexperten sehen darin zugleich ein strukturelles Problem: Angebote und Nachfrage passen oft nicht zusammen, Bewerber suchen anderswo oder die Anforderungen und Attraktivität der Berufe weichen von den Erwartungen ab.
Herausforderung Nachwuchsgewinnung
Für die Branche bedeutet das: Mehr Sichtbarkeit, bessere Orientierung für Schulabgänger und eine stärkere Ansprache erforderlicher Fähigkeiten. Einige Händler antworten bereits mit höherer Vergütung, Imagekampagnen und modernisierten Ausbildungsangeboten. Ob das ausreicht, um langfristig die Lücke zu schließen, bleibt offen.
Die aktuelle Lage zeigt eines deutlich: Mehr eingestellte Azubis bei einzelnen Unternehmen ändern nichts am grundsätzlichen Ungleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt. Politik, Verbände und Unternehmen sind gefordert, Ausbildungskonzepte und Übergangsangebote so zu gestalten, dass junge Menschen in den Handel finden und dort Perspektiven haben.

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