Otto verdoppelt Gewinn trotz Umsatzrückgang und kündigt umfassenden Stellenabbau an
Otto erzielt deutlich höheren Gewinn, stellt aber Personal um
Hamburg — Die Otto Group hat ihr jüngstes Geschäftsjahr mit einer überraschend starken Ergebnisverbesserung abgeschlossen, gleichzeitig jedoch den Personalbestand weiter reduziert. Konzernchefin Petra Scharner-Wolff hob die Fortschritte bei der Plattform otto.de und Kostensenkungen als Treiber des Ergebnisses hervor, räumte aber ein, dass schwierige Marktbedingungen weiter belasten.
Nach dem Ende des Geschäftsjahres zum 28. Februar verzeichnete der Konzern einen Umsatzrückgang um rund 7,4 Prozent auf 13,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg hingegen deutlich von 276 auf 641 Millionen Euro, nach Steuern blieben 312 Millionen Euro.
Ursachen und Schwerpunktverlagerungen
Für den Umsatzrückgang war vor allem der Verkauf der Modetochter About You an Zalando im Juli 2025 maßgeblich. Zudem litt die Otto-Eigenmarke Bonprix unter der angespannten Konsumstimmung und verschärftem Wettbewerb. Parallel dazu wuchs das Plattformgeschäft otto.de: Der Umsatz des Onlineshops legte laut Geschäftsbericht um acht Prozent auf 4,8 Milliarden Euro zu und stellt inzwischen rund ein Drittel des Konzernumsatzes.
Personalabbau mit Staffelung
Die Beschäftigtenzahl sank auf rund 34 800 und liegt damit etwa 1 500 unter dem Vorjahr. Personalvorständin Katy Roewer betonte, dass Restrukturierungen bereits breit umgesetzt würden und der Abbau verantwortungsvoll erfolgen solle. Konkrete Pläne sehen vor, dass im Plattformbereich in Hamburg bis Ende des Geschäftsjahres 2027/28 bis zu 460 Vollzeitstellen wegfallen. Bei der Logistiktochter Hermes können bis zu 850 Stellen entfallen, beim Modeunternehmen Witt weitere 229 Stellen. Angeboten werden unter anderem Altersteilzeit, Frühverrentung und interne Alternativen für einen Teil der Beschäftigten.
Markt und Wettbewerb
Branchenkenner weisen auf hohen Preisdruck und wachsenden Wettbewerb im Onlinehandel hin. Kai Hudetz vom Institut für Handelsforschung weist darauf hin, dass große Anbieter oft Vorteile bei Sichtbarkeit und direktem Kundenkontakt haben. Neue Vertriebskanäle und Suchgewohnheiten, etwa vermehrte Produktsuchen über KI-Chatbots und Impulskäufe über soziale Plattformen, verändern das Wettbewerbsmuster weiter.
Scharner-Wolff warnte, dass kein Rückenwind erwartet werde: «Wir rechnen mit herausfordernden Rahmenbedingungen.» Relevante Einflussfaktoren bleiben die schwache Konsumnachfrage, geopolitische Einflüsse wie die US-Zollpolitik und der wachsende Wettbewerb aus Asien.
Die Otto Group setzt nach eigener Darstellung auf eine stärkere Profitabilität des Plattformgeschäfts und auf den Ausbau margenstärkerer Eigenprodukte, um in dem zunehmend hart umkämpften Markt zu bestehen.

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