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Allein dauert alles länger — Alleinerziehende Mütter aus dem Landkreis Augsburg fordern mehr Anerkennung und konkrete Hilfe

09. Mai 2026

Allein dauert alles länger und oft unsichtbar

Am Muttertag sprechen Frauen aus dem Landkreis Augsburg offen über den Druck, die Einsamkeit und die kleinen Freuden, die ihren Alltag prägen. Viele erzählen von langer Arbeitszeit, unbezahlter Carearbeit und dem Gefühl, in einer Gemeinschaft kaum sichtbar zu sein.

Sandra Wipp aus Westheim lebt seit dem Suizid ihres Mannes vor sechs Jahren mit ihren beiden Kindern alleine. Die 39-Jährige arbeitet Teilzeit als Kinderkrankenschwester, betreut in einem Nebenjob Wachkomapatienten und organisiert Haushalt, Hausaufgaben und Trauergruppen. „Allein dauert alles länger“, sagt sie und beschreibt Szenen, die wohl viele kennen: „«Mama, ich habe Durst», «Mama, kannst du mir helfen?», «Mama guck mal!» — solche Rufe unterbrechen den Tag ständig.“ Um Ruhe für die Hausarbeit zu finden, erledigt sie vieles, wenn die Kinder unterwegs sind.

Auch Susanne Nowak, die einen anderen Namen benutzt und mit ihren inzwischen 18- und 16-jährigen Töchtern lebt, berichtet von finanziellen und sozialen Hürden. Nach der Trennung arbeitete sie zeitweise in drei Jobs, um Familie und Alltag zu sichern. Heute hat sie ihre Stunden aufgestockt, blickt aber zurück auf Jahre voller Schichten, leiser Trauer und großer Verantwortung. Spaziergänge in hohem Tempo halfen ihr, den Kopf freizubekommen, Erinnerungen und Verluste zu verarbeiten.

Zwischen Nähe und Benachteiligung

Trotz der engen Bindungen zu ihren Kindern erleben viele Mütter Benachteiligung: beim Zugang zu finanzieller Unterstützung, bei der steuerlichen Anerkennung und bei Angeboten für Familien. Nowak berichtet, dass sie etwa bei gemeinsamen Aktivitäten mit Paaren öfter nicht eingeladen wurde. Wipp empfindet fehlende Anerkennung im Alltag: «Mehr Ferienbetreuung oder ein Modell mit Ziehomas wären gut, ich muss das immer mit Überstunden regeln.» Beide Frauen nennen als dringendste Bedürfnisse flexible Betreuungsangebote, bessere finanzielle Entlastungen und sichtbare Wertschätzung für die geleistete Care-Arbeit.

Alltag und Hoffnungen

Trotz der Belastungen betonen die Frauen auch positive Seiten: Gemeinsamkeiten wie jährliche Wanderungen auf dem Jakobsweg, gemeinsame Rituale und das Gefühl, miteinander stark zu sein. Für Wipp ist klar: «Ein Teil meines Mannes ist ja in meinen Kindern und ich wollte immer Kinder. Ich gebe mein Bestes.» Nowak hofft auf mehr gesellschaftliche Offenheit und strukturelle Unterstützung, damit Alleinerziehende nicht als Abweichung von einer Norm behandelt werden.

Die Geschichten aus dem Landkreis Augsburg zeigen: Es braucht mehr als Worte zum Muttertag. Es braucht konkrete Angebote, finanzielle Entlastung und eine Veränderung der Wahrnehmung, damit alleinerziehende Mütter nicht nur überleben, sondern wirklich teilhaben können.

Hinweis: Kreisen Ihre Gedanken darum, sich das Leben zu nehmen? Sprechen Sie mit jemandem. Es gibt zahlreiche Hilfsangebote per Telefon, Chat oder im persönlichen Gespräch, auch anonym.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: augsburger-allgemeine.de

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