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Aldi Süd streicht 1.250 Stellen am Stammsitz — Digitaloffensive endet als teures Lehrstück

06. Mai 2026

Ambitionierte Digitalstrategie endet mit massivem Personalabbau

Mülheim an der Ruhr — Aldi Süd hat angekündigt, bis Ende 2027 am Stammsitz rund 1 250 Arbeitsplätze zu streichen. Die Kürzungen treffen vor allem die Digitalsparte Aldi DX: Mehr als 1 000 der betroffenen Stellen sind dort angesiedelt, die Teams sollen nach Unternehmensangaben um etwa 25 bis 30 Prozent reduziert werden.

Die Digitaltochter war 2024 gegründet worden, um IT-Kompetenzen zu bündeln und die digitale Transformation des Discounters voranzutreiben. In kurzer Zeit wuchs die IT-Organisation auf mehr als 4 000 Mitarbeitende an — eine Größe, die in der Branche, die auf Kosteneffizienz setzt, als ungewöhnlich gilt. Branchenkenner sehen in dem schnellen Personalausbau eine mangelhafte Kostenkontrolle, die nun von der Unternehmensleitung korrigiert wird.

Besonders hart trifft es Führungskräfte: Berichten zufolge sollen etwa 40 Prozent der Directors ihre Stellen verlieren. Teile der Aufgaben sollen künftig ins Ausland verlagert werden, unter anderem nach Ungarn. Bereits im vergangenen Jahr fielen durch Auslagerungen an einen indischen Dienstleister rund 400 Stellen weg. Der aktuelle Abbau geht jedoch deutlich weiter und umfasst neben IT-Bereichen auch Teile des Einkaufs.

Statt betriebsbedingter Kündigungen plant Aldi Süd zunächst ein freiwilliges Programm, das Abfindungen und Aufhebungsverträge vorsieht. Wie viele Beschäftigte dieses Angebot annehmen, ist offen. Besonders brisant ist die Größenordnung: Am Mülheimer Hauptsitz sind insgesamt rund 2 000 Menschen beschäftigt. Würden 1 250 Stellen wegfallen, träfe das mehr als 60 Prozent der Belegschaft vor Ort.

Als Reaktion auf die Pläne haben Beschäftigte der Digitalsparte erstmals einen Betriebsrat gegründet. Die Gewerkschaft ver.di ist nach Darstellung von Beteiligten nur begrenzt organisiert, sieht aber mögliche Behinderungen neu gewählter Betriebsräte als Verstoß gegen geltendes Arbeitsrecht.

Der Fall Aldi Süd steht exemplarisch für den Druck im deutschen Einzelhandel. Wirtschaftsdaten zeigen, dass viele Unternehmen für 2026 Stellenabbau planen; der Einzelhandel gehört zu den am stärksten betroffenen Branchen. Für Aldi Süd wird entscheidend sein, wie transparent und sozialverträglich der Umbau kommuniziert wird und ob das Freiwilligenprogramm den erwarteten Rückhalt in der Belegschaft findet.

Die kommenden Monate werden zeigen, wie tiefgreifend die Folgen dieses Kurswechsels für Mülheim an der Ruhr und die Unternehmensstrategie des Discounters sind.

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