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Thiemann beantragt Planinsolvenz: 13 Filialen und bis zu 70 Arbeitsplätze stehen auf dem Prüfstand

08. Juni 2026

Familienbetrieb Thiemann beantragt Planinsolvenz und prüft Filialbestand

München — Die ostdeutsche Parfümeriekette Thiemann hat ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Nach 36 Jahren Aufbauarbeit steht das inhabergeführte Unternehmen vor einer grundlegenden Neuordnung: Alle 13 Filialen in mehreren Bundesländern werden auf ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit geprüft, zwischen 60 und 70 Arbeitsplätze sind akut bedroht.

Aus einem ersten Geschäft in Bautzen wuchs die Kette zu einem regional wichtigen Händler mit Standorten unter anderem in Dresden, Leipzig, Halle, Görlitz, Freiberg, Pirna, Freital und Cottbus sowie einem Online-Shop. Betrieben wird das Unternehmen von Evelyn und Bodo Thiemann, die den Schritt in die Planinsolvenz als Versuch beschreiben, das Geschäft geordnet zu sanieren.

Corona-Folgen und langdauernder Strukturwandel setzen Handel zu

Als Hauptursache nennt die Familie die anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie. Während der Lockdowns brachen Umsätze ein, laufende Kosten wie Mieten und Gehälter blieben bestehen. Zur Überbrückung wurden Kredite aufgenommen, deren Belastungen bis heute nachwirken. Gleichzeitig habe die Pandemie den ohnehin bestehenden Strukturwandel im Einzelhandel beschleunigt: Besuchsfrequenzen in Einkaufszentren sind niedriger, Leerstände und Kosten steigen, wodurch manche Standorte wirtschaftlich nicht mehr tragfähig seien.

Die Betreiber betonen, dass die Insolvenz nicht Aufgabe bedeute, sondern ein Instrument zur geordneten Neuaufstellung: «Die Planinsolvenz soll wirtschaftlich gesunde Bereiche stärken und unserem Betrieb Perspektive geben», heißt es in einer Stellungnahme. Der Verkauf in den Ladengeschäften und im Online-Shop läuft vorerst weiter; Beratung und Serviceangebote sollen unverändert angeboten werden.

Ungewisse Zukunft für Beschäftigte und Standorte

Die Belegschaft lebt in Unsicherheit. Kündigungen werden nicht ausgeschlossen, konkrete Entscheidungen über Schließungen oder den Verbleib einzelner Standorte stehen noch aus. Das Management betont den Willen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern und Veränderungen offen zu kommunizieren, sobald belastbare Entscheidungen vorlägen.

Der Fall Thiemann ist kein Einzelfall: Immer wieder geraten mittelständische Händler unter Druck, wenn pandemiebedingte Einbrüche auf langfristige Rückgänge der Kundenfrequenzen und steigende Fixkosten treffen. Für viele Familienunternehmen geht es nun um die Frage, ob Restrukturierung ausreicht oder ob Filialnetze dauerhaft verkleinert werden müssen.

Die Betreiberfamilie appelliert an die Kundschaft um Vertrauen in dieser Phase: «Wir bitten in dieser Phase nicht um Mitleid. Wir bitten um Vertrauen», so das Unternehmen. Konkrete Informationen zu einzelnen Standorten will Thiemann erst veröffentlichen, wenn belastbare Entscheidungen getroffen wurden.

  • Anzahl Filialen: 13
  • Geschätzte Beschäftigte betroffen: 60 bis 70
  • Gründungsjahr: 1990 in Bautzen
Der Bericht stützt eine Nachricht von: fr.de
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