Tarifrunde im Handel: Warnung vor Stellenabbau trifft auf Angst vor Altersarmut
Tarifstreit im Handel droht Stellenabbau und verschärft Altersvorsorge-Probleme
Düsseldorf · Im Vorfeld der im April beginnenden Tarifverhandlungen im Einzel- sowie Groß- und Außenhandel spitzen sich die Fronten zu. Arbeitgeberverband und Gewerkschaft formulieren bereits jetzt ihre Kernpositionen: Der Handelsverband Deutschland warnt vor weiteren Jobverlusten, Verdi mahnt, ohne kräftige Lohnsteigerungen drohe vielen Beschäftigten Altersarmut.
Der Handel ist eine der personalintensivsten Branchen Deutschlands: Mehr als drei Millionen Menschen arbeiten dort, darunter rund 1,1 Millionen in Vollzeit, 1,2 Millionen in Teilzeit und etwa 830 000 in geringfügigen Beschäftigungen. Vor diesem Hintergrund haben Tarifrunden immer wieder große gesellschaftliche Resonanz.
Kernpunkte der Auseinandersetzung
- Arbeitgeberseite betont Belastungen durch steigende Energie- und Personalkosten, Bürokratie und eine anhaltende Konsumschwäche. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des HDE, verweist auf Spartendenzen der Bevölkerung und warnt: «Ein zu hoher Tarifabschluss gefährdet weitere Jobs».
- Verdi fordert deutlich über der Inflation liegende Einkommenssteigerungen und sieht Spielraum für mehr Lohn. Verdi-Bundesvorstand Silke Zimmer sagt, die Beschäftigten seien kampfbereit und ohne angemessene Erhöhungen drohe vielen im Handel die Altersarmut.
Zahlen und Folgen
Nach Angaben der Arbeitgeber sind seit 2022 etwa 60 000 sozialversicherungspflichtige Stellen im Einzelhandel weggefallen. Nur noch rund 18 Prozent der Betriebe im Einzelhandel wenden Tarifverträge an, im Groß- und Außenhandel sind es 15 Prozent. Betroffen sind damit zwischen 23 und 29 Prozent der Beschäftigten in der Branche.
Die Zusammensetzung der Beschäftigten erhöht das Risiko niedriger Renten: Nur knapp ein Drittel arbeitet in Vollzeit, etwa ein Viertel ist geringfügig beschäftigt. Verdi weist darauf hin, dass Altersrenten im Handel häufig nur bei etwa 1200 bis 1400 Euro brutto liegen und viele Beschäftigte einen Großteil ihres Einkommens für Wohnen, Lebensmittel und Energie aufwenden.
Ablauf der Tarifrunde
In Nordrhein-Westfalen soll die Tarifforderung für die Beschäftigten im Einzelhandel am 18. März festgelegt werden, die erste Verhandlungsrunde ist für den 28. April terminiert. Die Arbeitgeber streben eine Laufzeit des neuen Tarifvertrags von mindestens zwei Jahren an; der vorherige Tarifvertrag hatte den Beschäftigten über drei Jahre insgesamt 14 Prozent mehr Lohn gebracht.
Die Verhandlungen werden damit auch zum Gradmesser für die Frage, wie sich Beschäftigungssicherheit und soziale Absicherung in einem von Teilzeit und Minijobs geprägten Sektor vereinbaren lassen.
Hinter dieser Auseinandersetzung steht eine einfache, aber einschneidende Frage: Sollten Arbeitgeber zusätzliche Aufwendungen scheuen, weil dies kurzfristig Arbeitsplätze sichern kann, oder sind höhere Löhne notwendig, um langfristig Kaufkraft und Altersvorsorge der Beschäftigten zu sichern?

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