Systemrelevant und unterbezahlt: Warum Deutschlands Versorgungskräfte kaum von ihrem Lohn leben können
Systemrelevante Arbeit bleibt schlechter bezahlt als je zuvor
München – Trotz medialer Würdigung und sichtbarer Bedeutung für Alltag und Infrastruktur bleiben viele Beschäftigte am unteren Ende der Gehaltsskala gefangen. Eine Auswertung aktueller Gehaltsdaten legt offen, wie weit auseinander Spitzenverdienende und die Gruppe der schlechtbezahlten Berufe klaffen.
Besonders betroffen sind Tätigkeiten im Dienstleistungssektor: studentische Hilfskräfte, Aushilfen, Kellnerinnen und Kellner, Reinigungskräfte sowie Verkäuferinnen und Verkäufer. Diese Berufe sichern Versorgungsketten, versorgen Kunden und pflegen Gemeinschaften – und zahlen häufig kaum mehr als die Grundkosten für Wohnen und Lebensunterhalt.
Warum Löhne auf einem niedrigen Niveau verharren
Zwei Mechanismen erklären die anhaltende Schieflage. Erstens sinkt der Marktwert von Tätigkeiten mit geringen formalen Einstiegshürden. Wer schnell eingearbeitet ist und ohne Ausbildung produktiv arbeiten kann, wird auf dem Arbeitsmarkt oft schlechter entlohnt. Zweitens reduzieren Teilzeit-, saisonale und prekäre Arbeitsmodelle die Jahresverdienste und die Verhandlungsmacht der Beschäftigten.
Hinzu kommt, dass viele dieser Jobs als leicht austauschbar gelten. Fehlender Fachkräftemangel in bestimmten Bereichen sorgt dafür, dass Löhne nicht steigen. Gleichzeitig verteuern steigende Lebenshaltungskosten die Lage der Betroffenen weiter.
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen
Die Ironie ist offensichtlich: Während Politik und Öffentlichkeit in Krisenzeiten die Systemrelevanz vieler Berufe betonen, spiegelt sich dieser Wert in der Bezahlung nicht wider. Arbeitsmarktwirtschaftlich mag das kurzfristig kosteneffizient erscheinen, langfristig drohen jedoch Fachkräftelücken, sinkende Attraktivität der Branchen und eine Verstärkung sozialer Ungleichheit.
Auch die Geschlechterdimension ist relevant: Frauen arbeiten überproportional häufig in schlecht bezahlten Dienstleistungsjobs, was die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen langfristig verschärft.
Beispiele für schlecht bezahlte Berufe und Durchschnittsgehälter
- Studentische Hilfskraft: ca. 22.500 Euro brutto jährlich
- Volontariat: ca. 23.500 Euro brutto jährlich
- Mitarbeitende im Wäschebereich/Lingerie: ca. 25.900 Euro brutto jährlich
- Reinigungskraft: ca. 26.900 Euro brutto jährlich
- Taxifahrer oder Taxifahrerin: ca. 27.000 Euro brutto jährlich
- Verkäuferin im Bäckereifach: ca. 27.000 Euro brutto jährlich
- Tankstellenmitarbeitende: ca. 27.100 Euro brutto jährlich
- Lieferdienstmitarbeitende: ca. 27.200 Euro brutto jährlich
- Aushilfen: ca. 27.200 Euro brutto jährlich
- Küchenhilfe: ca. 27.300 Euro brutto jährlich
Was jetzt nötig ist
Wirtschaft und Politik stehen vor der Frage, ob sie weiter auf kurzfristige Kostenvorteile setzen oder gezielt in Lohnstrukturen, Weiterbildung und bessere Arbeitsbedingungen investieren. Ohne strukturelle Reformen droht eine dauerhafte Entkopplung zwischen gesellschaftlicher Bedeutung von Arbeit und ihrer entlohnten Wertschätzung. Arbeitgeber, Gewerkschaften und Politik müssen gemeinsam Konzepte entwickeln, damit Systemrelevanz auch wirtschaftlich anerkannt wird.

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