Innenstädte alarmiert: Stationärer Einzelhandel fällt erstmals seit Jahrzehnten unter 300.000 Geschäfte
Stationärer Handel rückt unter die 300.000er‑Marke
Der deutsche Einzelhandel schrumpft weiter: Nach Schätzungen des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Ladengeschäfte 2026 auf rund 296.600 sinken und damit erstmals seit der Wiedervereinigung unter die Marke von 300.000 fallen. Seit Ende 2015 ging die Zahl der Filialen demnach um etwa 70.000 zurück.
Die Entwicklungen der vergangenen Jahre seien vielschichtig, heißt es beim Verband. Während der Corona‑Pandemie beschleunigten Zwangsschließungen und Nachfrageeinbrüche viele Schließungen; 2021 verringerte sich die Ladenanzahl um 11.500, 2022 um 11.000. Im Jahr 2025 sank die Zahl nochmals um rund 4.500 auf etwa 301.500.
Parallel dazu wächst der Onlinehandel: Preisbereinigt legte der digitale Handel 2025 um 3,5 Prozent zu, während die Umsätze im stationären Handel weitgehend stagnierten. Eine Händlerbefragung des HDE zeigte zudem, dass nur 14 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut einschätzen und rund die Hälfte sinkende Umsätze für 2026 erwartet. Die größte Sorge bleibt die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.
- Erwartete Ladenanzahl 2026: etwa 296.600
- Filialen Ende 2015: rund 372.000
- Insolvenzen 2025: 2.571 Fälle laut Kreditversicherer Allianz Trade
HDE‑Präsident Alexander von Preen warnte eindringlich vor den Folgen für die Innenstädte: «Viele Innenstädte leiden heute schon sichtlich unter Leerständen. So kann und darf es nicht weitergehen.» Er forderte politische Maßnahmen zur Entlastung von Energie‑ und Beschäftigungskosten, um insbesondere mittelständische Händler zu stützen.
Die Zahl der Insolvenzen im Handel hat laut Branchenangaben den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. 2025 wurden 2.571 Insolvenzen gezählt, deutlich mehr als im Vorjahr. Zuletzt waren unter anderem die Schuhkette Görtz, der Modehersteller Gerry Weber sowie der Herrenausstatter Wormland betroffen; der Hemdenhersteller Eterna plant, seinen Betrieb im Sommer einzustellen. Andere Anbieter wie der Dekohändler Depot und der Discounter Kodi haben ihre Filialnetze bereits deutlich verkleinert.
Vertreter der Branche treffen sich an diesem Dienstag und Mittwoch in Berlin zum jährlichen Handelsimmobilienkongress, um über Perspektiven für Innenstädte, Vermietungsstrategien und politische Forderungen zu beraten. Aus Sicht von Branchenvertretern sind nachhaltige Maßnahmen notwendig, um urbane Einkaufszentren zu stabilisieren und die Vielfalt des stationären Angebots zu bewahren.
Die Entwicklung hat Auswirkungen über einzelne Regionen hinaus: Schließungen verlagern Kundenströme, belasten Gewerbemieten und stellen Städte vor Planungsfragen. Experten sehen kurzfristig wenig Entspannung, solange Konsumzurückhaltung und der Konkurrenzdruck durch den Onlinehandel anhalten.

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