Einzelhandel in Großbritannien startet Programm gegen hohe Jugendarbeitslosigkeit
Einzelhandel startet Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit
London — Mehr als eine Million junge Menschen in Großbritannien sind weder in Arbeit noch in Ausbildung. Ein aktueller Regierungsbericht warnt, dass die Zahl wachsen könnte, sollten sich die gegenwärtigen Trends fortsetzen. Um gegenzusteuern, haben führende Einzelhändler gemeinsam mit dem Arbeitsministerium ein Programm angekündigt, das innerhalb der kommenden drei Jahre rund 100 000 Stellen für 16 bis 24 Jährige schaffen soll.
Zum Auftakt sind etwa 11 000 Kurzpraktika geplant, die bei Handelsketten wie Amazon, Aldi, Tesco und Marks & Spencer angeboten werden sollen. Die Praktika sollen jungen Menschen erste Berufserfahrungen ermöglichen und als Sprungbrett für Ausbildungsplätze oder feste Anstellungen dienen. Beschäftigungsberater hoffen, dass praktische Einblicke in den Alltag der Branche vielen Jugendlichen den Einstieg erleichtern.
Die Jugendarbeitslosigkeit in Großbritannien liegt derzeit bei knapp 15 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Fachleute sehen mehrere Ursachen: Es gebe weniger Ausbildungsplätze und weniger Einstiegsjobs, etwa im Gastgewerbe. Zusätzlich machten Arbeitgeber höhere Lohnkosten infolge gestiegener Mindestlöhne und erhöhte Sozialabgaben für entstehende Zurückhaltung bei Neueinstellungen verantwortlich.
Arbeitgeberverbände betonen, dass finanzielle Belastungen die Kapazität zur Schaffung neuer Stellen begrenzen können. Kritiker der Initiative maßen ihr dennoch Bedeutung bei, weil sie kurzfristige Beschäftigungsoptionen und praktische Lerngelegenheiten für junge Menschen schaffen könne. Beobachter werden besonders darauf achten, wie viele der Kurzpraktika tatsächlich in langfristige Ausbildungen oder Jobs münden.
Das Programm soll zunächst regional in mehreren Bereichen starten und dann ausgeweitet werden. Politik und Wirtschaft kündigten begleitende Maßnahmen an, darunter Beratung für Arbeitgeber und gezielte Unterstützung für besonders benachteiligte Jugendliche. Ob das Paket die Zahlen nachhaltig senken kann, hängt laut Experten von langfristigen Investitionen in Ausbildung und von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.