Eigeninitiative macht den Unterschied: Warum Frauen im Beruf öfter selbst das Steuer übernehmen müssen
Eigeninitiative ist der zentrale Karrierefaktor für Frauen
Berlin – Prof. Sandra Schmidt zieht aus zwei Jahrzehnten Polizeidienst und ihrer heutigen Lehrtätigkeit eine klare Schlussfolgerung: Gleichstellungsgesetze allein reichen nicht aus, um Frauen dauerhaft in Spitzenpositionen zu bringen. Entscheidend sei vielmehr die persönliche Initiative sowie eine Führungs- und Organisationskultur, die Entwicklung ermöglicht.
Schmidt, die 20 Jahre in der Polizei Sachsen-Anhalt tätig war und später Professorin in Berlin wurde, beschreibt ihren Weg als Abfolge bewusster Entscheidungen. Vom Wechsel aus dem Einzelhandel über das Studium an der Fachhochschule Polizei bis zur Leitung einer Dienststelle und einem Masterstudium: Immer wieder sei es nötig gewesen, Chancen zu suchen und aktiv zu ergreifen. Dabei sei ihr bewusst geworden: «Du musst deine Karriere selbst in die Hand nehmen».
Strukturen und innere Hürden wirken zusammen
Die Expertin unterscheidet zwei Ebenen, die Frauen auf dem Karriereweg behindern. Auf der einen Seite stehen strukturelle Barrieren und unbewusste Vorurteile in Organisationen. Auf der anderen Seite liegen oft unsichtbare, individuelle Hindernisse: Selbstzweifel, Angst vor Überforderung, konservative Rollenbilder und die Neigung, Veränderungen zu vermeiden. Schmidt betont, dass sich viele dieser inneren Muster mit professioneller Unterstützung wie seriösem Coaching aufbrechen lassen.
Authentizität statt Anpassung
Ein weiteres Muster, das Schmidt beobachtet, ist das Nachahmen vermeintlich erfolgreicher, männlich geprägter Führungsstile. Frauen versuchten mitunter, «die besseren Männer» zu sein, statt eine authentische Form von Führung zu entwickeln. Das sei kontraproduktiv, weil authentische Führung messbar positive Effekte auf Leistung, Vertrauen und Commitment habe. Schmidt plädiert deshalb für Führungsmodelle, die Vielfalt und Persönlichkeitsentfaltung zulassen.
Was Organisationen und Frauen tun können
- Investieren in Wertearbeit und Bildung, damit Gleichstellung zu einer gelebten Haltung wird.
- Förderung von authentischer, wertschätzender Führung, die psychologische Sicherheit bietet.
- Ermutigung zu beruflicher Mobilität, Weiterbildung und Coaching als persönliche Investition.
- Bewusste Auseinandersetzung mit mikropolitischen Dynamiken und ihrer Wirkung auf Karrieren.
Schmidt schließt mit einem Appell an Einzelne und Institutionen: Gesetze und Förderprogramme sind wichtig, aber nur ein Teil der Lösung. Langfristiger Erfolg entstehe dort, wo Menschen befähigt werden, Initiative zu ergreifen, und wo Organisationen eine Kultur leben, in der unterschiedliche Führungsstile anerkannt und gefördert werden. Nur so werde Gleichstellung zur selbstverständlichen Praxis und nicht zur Ausnahme.
Zur Person
Prof. Dr. Sandra Schmidt ist Professorin für sicherheitsbehördliches Einsatzmanagement und Führungswissenschaft an der HWR Berlin. Zuvor war sie 20 Jahre in der Polizei Sachsen-Anhalt tätig, davon zehn Jahre in Spitzenfunktionen. Als zertifizierte Systemische Business Coachin arbeitet sie mit Führungskräften zur Entwicklung von Führungskompetenz und zur Förderung von Frauen in Leitungspositionen.

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