EHI-Studie zeigt Dilemma am Arbeitsmarkt: Bewerberzahl steigt, Qualifikation sinkt
Mehr Bewerbungen, aber schlechtere Qualifikation belasten den Handel
Deutschlandweit melden Handelsunternehmen zwar deutlich mehr Bewerbungen, doch an der Eignung der Kandidaten zweifeln viele Personalverantwortliche. Das zeigt eine Umfrage des EHI unter 38 beteiligten Handelsunternehmen, die eine wachsende Quantität, aber keine bessere Qualität bei Bewerbungen konstatiert.
Jedes zweite der befragten Unternehmen beobachtet im vergangenen Jahr etwas mehr Bewerbungen, 41 Prozent berichten sogar von deutlich mehr Eingängen. Gleichzeitig empfinden 45 Prozent der Händler die Bewerber als weniger geeignet als in den Vorjahren. Als Hauptgründe für nicht besetzte Stellen in Zentralen werden hohe Ansprüche der Bewerber mit 89 Prozent, mangelnde Qualifikation mit 88 Prozent und ein zu kleines Recruiting-Budget mit 71 Prozent genannt.
In den Filialen und in der Logistik wirken zusätzlich das Image des Handels sowie fehlende Personalressourcen als Hemmnisse. Alle Befragten nennen das allgemeine Handelsimage mit langen Öffnungszeiten und wenig flexiblen Arbeitszeiten sowie fehlendes Personal für HR als zentrale Hindernisse bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter.
Anpassungen im Recruiting: Mehr Flexibilität, vereinfachte Prozesse
Um offene Stellen schneller zu besetzen, reagieren viele Unternehmen mit gezielten Maßnahmen. Zentralen erhöhen das Recruiting-Budget und werben verstärkt mit flexiblen Arbeitszeiten und der Möglichkeit zu Remote-Work. Filialen und Logistikabteilungen setzen vor allem auf vereinfachte Bewerbungswege und verkürzte Auswahlprozesse: 95 Prozent der Filialen geben an, Bewerbungen zu vereinfachen, in der Logistik sind es 81 Prozent. Ein kurzer Recruiting-Prozess wird in 95 Prozent der Filialen und 80 Prozent der Logistikeinheiten genannt.
Quereinsteiger spielen eine wichtige Rolle: 95 Prozent der Filialen und 75 Prozent der Logistikbetriebe zeigen sich offen für Bewerber ohne klassische Branchenausbildung.
Technologie wird ungleich verteilt eingesetzt
Der Einsatz datenbasierter Tools und Künstlicher Intelligenz ist in den Zentralen bereits Alltag, während Filialen und Logistik meist noch traditionelle Wege nutzen. Filialen setzen stark auf Bewerbungen per Messenger wie WhatsApp, Facebook oder Instagram sowie auf Sprachnachrichten. In der Logistik dominieren Bewerbungen über die Website, zum Teil in Form von Videos.
Für die kommenden Jahre erwarten Personalverantwortliche, dass KI in nahezu allen Bereichen des Recruitings an Bedeutung gewinnt, etwa bei passgenauen Stellenanzeigen, der Vorselektion und dem Bewerbermanagement. Zugleich wird traditionelle Personalplanung zunehmend durch proaktives, adaptives Predictive Workforce Planning ersetzt, um in einer volatilen Umwelt effizienter und resilienter zu agieren.
Die EHI-Studie fasst diese Entwicklungen im kostenlosen Whitepaper Talents4Retail zusammen und liefert Handlungsempfehlungen für Handelsunternehmen, die im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen wollen. Befragt wurden 38 Handelsunternehmen; die Ergebnisse gelten deutschlandweit als Indikator für die aktuellen Herausforderungen im Retail-Recruiting.

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