Discounter-Pleite zwingt Groschen-Markt zur Radikalkürzung
Groschen-Markt schrumpft nach Insolvenz: Mehr als die Hälfte der Standorte wechselt den Betreiber
Dingelstädt (Thüringen) – Die ehemals weitverbreitete Schnäppchen-Kette Groschen-Markt steht vor einem tiefgreifenden Neuanfang. Nach der Insolvenz der DEC Handelsgesellschaft mbH im Dezember 2025 konnten 22 von 41 Filialen an andere Händler verkauft werden, teilte Insolvenzverwalter Olaf Spiekermann mit. Die meisten übernommenen Standorte sollen unter neuen Namen weitergeführt werden, lediglich drei Märkte in Thüringen behalten vorerst die bekannte Marke.
Der Verkauf sichert aber nur einen Teil der Arbeitsplätze: Von rund 170 Beschäftigten konnten etwa 80 ihre Stellen behalten. Zuvor war noch von der Möglichkeit die Rede gewesen, bis zu 30 Märkte zu erhalten. Spiekermann erklärte, dass die Verhandlungen mit potenziellen Investoren angesichts eines schwierigen Marktumfeldes langwierig und zum Teil zäh verlaufen seien.
Der Schwerpunkt der Übernahmen liegt in Ostdeutschland. Zehn Märkte werden in Thüringen weiterbetrieben, darunter Standorte in Ohrdruf, Geismar und Saalfeld. Sechs Märkte gehen in Sachsen-Anhalt an neue Betreiber, unter anderem in Dessau und Blankenburg. In Sachsen werden vier Filialen fortgeführt, etwa in Dresden und Frohburg, zwei weitere Übernahmen betreffen Brandenburger Standorte, darunter Brandenburg an der Havel und Sperenberg. Der ehemalige DEC-Geschäftsführer Wolfhart Lampe sicherte sich die Markenrechte von Groschen-Markt.
Für zahlreiche Kundinnen und Kunden war Groschen-Markt die günstige Alternative zum Baumarkt oder großen Fachhandel. Doch die gesunkene Kauflaune traf auch das Discountsegment: In jüngerer Vergangenheit rutschten mehrere Non-Food-Discounter in die Insolvenz, unter anderem McGeiz und Kodi. Branchenbeobachter sehen die Entwicklung als Symptom einer länger andauernden Konsolidierungswelle im deutschen Einzelhandel.
Insolvenzverwalter Spiekermann nannte zudem einen möglichen weiteren Verkaufstermin im November, deutete also an, dass noch nicht alle Verhandlungen abgeschlossen sind. Für Beschäftigte der nicht übernommenen Filialen bleibt die Lage ungewiss, während Käufer und neue Betreiber versuchen, aus dem Kernbestand ein tragfähiges Geschäftsmodell zu formen.
Die Entscheidung zeigt, wie eng wirtschaftlicher Druck, verändertes Konsumverhalten und Konkurrenzdruck im Einzelhandel zusammenwirken und regionale Versorgungsstrukturen nachhaltig verändern können.