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460.000 Pakete täglich: Wie Billigplattformen den deutschen Einzelhandel aushöhlen

13. Mai 2026

Billigimporte aus China verursachen spürbare Einbußen im Handel

Berlin. Der Boom chinesischer Shoppingplattformen setzt dem deutschen Einzelhandel massiv zu. Eine Analyse von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland ermittelt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher jährlich rund 2,5 Milliarden Euro weniger im heimischen Einzelhandel ausgeben, weil sie stattdessen bei Plattformen wie Temu und Shein einkaufen.

Weil ein Euro Umsatz im Einzelhandel nach Einschätzung der Forscher etwa zwei Euro Wirtschaftskraft insgesamt auslöst, liegt der gesamtwirtschaftliche Schaden deutlich höher. Inklusive Vorleistungen wie Mieten, Energie, Logistik und Löhnen schätzt das Institut den Effekt auf das Doppelte.

  • 460 000 Pakete täglich nach Deutschland: Nach Angaben des HDE verschickten Temu und Shein 2025 zusammen täglich rund 460 000 Sendungen in die Bundesrepublik.
  • Mehr als 40 000 verlorene Arbeitsplätze: Die Studie führt vor allem Einbußen im stationären Handel auf die Verlagerung von Käufen zurück.
  • Bis zu 420 Millionen Euro weniger Steuereinnahmen pro Jahr: Lohn-, Gewerbe- und Körperschaftsteuern entfielen, so die Berechnung des Instituts.

Die Untersuchung stützt sich auf eine repräsentative Umfrage unter 4 000 Personen im Alter von 16 bis 69 Jahren. Demnach hätten 51 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer die dort gekauften Waren zum gleichen Preis auch anderswo erworben, wenn die chinesischen Plattformen nicht verfügbar gewesen wären. 19 Prozent wären sogar bereit gewesen, mehr auszugeben.

HDE-Präsident Alexander von Preen warnt vor Wettbewerbsverzerrungen. Er kritisiert, viele Angebote erfüllten nicht die rechtlichen Vorgaben und könnten heimische Händler an den Rand des Ruins bringen. Der Verband fordert schärfere Kontrollen und im Extremfall eindringliche Maßnahmen gegen wiederholte Regelverstöße.

Die Plattformen weisen die Vorwürfe zurück. Temu betont, das Portal ermögliche Tausenden traditionellen Firmen in Europa den Zugang zu internationalen Kundinnen und Kunden und unterstütze so Umsatz und Beschäftigung. Shein argumentiert, die Pauschalkritik helfe nicht weiter; zahlreiche deutsche Händler nutzten bereits die Plattformen, und das Unternehmen verweise auf geleistete Steuerzahlungen.

Auf europäischer Ebene reagiert die Politik: Ab November soll für jedes in die EU eingeführte Onlinepaket eine Bearbeitungsgebühr gelten, zudem ist ab Juli eine temporäre Abgabe von drei Euro für Sendungen mit einem Warenwert bis 150 Euro geplant. Langfristig plant die Kommission eine digitale Plattform, die Importe bereits ab dem ersten Euro abgeltet. Parallel laufen Untersuchungen der EU wegen möglicher Verstöße gegen das Gesetz über digitale Dienste; auch das Bundeskartellamt prüft Geschäftsmodelle der Betreiber.

Die Debatte bleibt offen: Einerseits entlasten preiswerte Angebote Verbraucherinnen und Verbraucher kurzfristig, andererseits drohen längerfristig Knotungen in der heimischen Wertschöpfungskette, Beschäftigungsverluste und geringere Steuereinnahmen. Politik, Behörden und Handel stehen vor der Aufgabe, Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher, faire Wettbewerbsbedingungen und die Stabilität lokaler Betriebe in Einklang zu bringen.

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