Wechsel an der Kasse: Iran-Krieg treibt Verbraucher in Discounter, Edeka und Rewe verlieren Marktanteile
Verbraucher verlagern Einkäufe zunehmend zu Discountern
München – Die Folgen des Kriegs im Iran haben längst deutsche Einkaufswagen erreicht: Zunächst spürbar an der Zapfsäule, zeigen neue Handelsdaten inzwischen auch Verschiebungen an der Supermarktkasse. Viele Haushalte reagieren auf steigende Energie- und Logistikkosten mit bewussterem Sparen und vermehrtem Einkauf bei Discountern.
Analysefirmen werten in Echtzeit Standortdaten und Besuchsmuster aus und beobachten einen klaren Trend: In der dritten Märzwoche stieg der Besuchsanteil von Aldi Nord um 0,7 Prozentpunkte und von Aldi Süd um rund 1,0 Prozentpunkt im Vergleich zur Woche vor Kriegsbeginn. Auf den ersten Blick gering wirkende Zuwächse haben wegen des hohen Branchenumsatzes erhebliche finanzielle Dimensionen: Ein Prozentpunkt Marktanteil entspricht grob geschätzt mehreren hundert Millionen Euro zusätzlichem Jahresumsatz.
Der Wandel ist nicht nur statistisch relevant. Händler und Branchenbeobachter sehen Parallelen zur Verbrauchsreaktion nach dem Ukraine-Krieg, als höhere Energie- und Transportkosten sich direkt in steigenden Ladenpreisen niederschlugen. Aktuell sinkt das Konsumklima spürbar, Verbraucher erwarten wieder steigende Inflation und passen ihr Einkaufsverhalten an.
Wer gewinnt, wer verliert
- Aldi Nord und Aldi Süd verzeichnen Besucherzuwächse in der betroffenen Woche
- Klassische Supermarktketten wie Edeka und Rewe weisen weniger Besuche auf
- Lidl bleibt insgesamt fast unverändert und profitiert aktuell kaum vom Trend
Die zusätzlichen Besuche bei Aldi deuten nicht auf häufigere Einkäufe derselben Stammkunden hin, sondern auf einen Wechsel von Kundenboden: Verbraucher, die bislang bei Edeka oder Rewe einkauften, scheinen vermehrt auf Discounter auszuweichen. Das erklärt die spürbaren Einbußen bei den großen Supermarktketten trotz stabiler Einkaufshäufigkeit.
Gleichzeitig schlagen Branchenverbände Alarm: Steigende Gaspreise, teurere Dieseltransporte und Störungen in globalen Lieferketten verteuern Produktionsprozesse und Logistik. Besonders betroffen sind Produkte, deren Herstellung von Erdgas abhängt, etwa Brot oder Teigwaren. Experten warnen, dass die Preisbelastung in den kommenden Monaten breiter durchschlagen könnte und die ohnehin schon belasteten Haushalte mit geringem Einkommen besonders stark treffen würde.
Politiker reagieren: Eine Koalitions-Taskforce weitet ihre Agenda aus und rückt Landwirtschaft und Lebensmittelpreise stärker in den Fokus. Forderungen nach politischen Maßnahmen zur Abfederung von Preissteigerungen für Bedürftige werden lauter, weil eine schnelle Entspannung des Konflikts nicht absehbar ist.
Für die Handelsketten bedeutet der Trend nicht nur kurzfristigen Wettbewerbsdruck, sondern strategische Herausforderungen: Preissignale, Imageführung und Filialnetz entscheiden darüber, wer die sich verändernden Bedürfnisse der Verbraucher langfristig bedient. Verbraucher dagegen werden in den kommenden Monaten genau beobachten, wo sie das beste Preis-Leistungs-Verhältnis finden.

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