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Kaufverhalten kippt durch Iran-Konflikt: Aldi wächst, Edeka und Rewe verlieren Marktanteile

08. April 2026

Verbraucher weichen auf Discounter aus, Supermarktketten büßen Kunden ein

München – Die Auswirkungen des Kriegs im Iran sind in deutschen Einkaufswagen angekommen. Zunächst spürbar an der Zapfsäule, zeigen Echtzeitdaten aus dem Handel inzwischen auch eine deutliche Verlagerung der Lebensmitteleinkäufe: Verbraucher suchen verstärkt günstigere Anbieter auf, während klassische Supermarktketten Marktanteile abgeben.

Analysen des belgischen Marktforschungsunternehmens Accurat, die täglich Millionen Standortdaten auswerten, legen nahe, dass Konsumenten seit Beginn des Konflikts ihr Verhalten ändern. In Kalenderwoche 12 stieg der Anteil der Kundenbesuche bei Aldi Nord um 0,7 Prozentpunkte und bei Aldi Süd um rund 1,0 Prozentpunkt gegenüber der Woche vor Kriegsbeginn. Rewe verlor 0,7 Punkte, Edeka 0,6 Punkte und Kaufland 0,5 Punkte. Lidl blieb weitgehend unverändert.

Was hinter dem Wechsel steckt

Handelsexperten führen die Verschiebung auf die Erwartung weiter steigender Preise zurück. Das Konsumklima des Instituts NIM fiel zuletzt um 3,2 Zähler auf minus 28 Punkte; viele Haushalte rechnen damit, dass Inflation und Kosten erneut an Tempo gewinnen. Boris Hedde vom IFH Köln verweist auf die Erfahrung aus der Zeit nach dem Ukraine-Krieg: damals seien gestiegene Energie- und Logistikkosten binnen kurzer Zeit in den Regalen angekommen.

Accurat-Analyst Maarten Vander Beken kommentierte die Daten mit den Worten «Ein solcher deutlicher Ausschlag ist ungewöhnlich, das haben wir in der Vergangenheit so noch nicht beobachtet». Nach seiner Einschätzung handelt es sich nicht nur um eine verstärkte Frequenz bestehender Kunden, sondern um einen echten Wechsel von Kundenprofilen hin zu Discountern.

Ökonomische und politische Folgen

Für den Lebensmittelhandel sind solche Verschiebungen substantiell: Ein Prozentpunkt Marktanteil entspricht rechnerisch etwa zwei Milliarden Euro Umsatz. Experten der Ernährungsindustrie warnen, dass steigende Gaspreise die Produktion verteuern und höhere Dieselpreise sowie Störungen in der Logistik die Transportkosten in die Höhe treiben werden. Die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie betont, dass viele Produktionsprozesse, etwa die Herstellung von Backwaren oder Teigwaren, energieintensiv und von Erdgas abhängig sind.

Politisch wächst der Druck. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Esra Limbacher forderte, Preisschocks an der Supermarktkasse für Haushalte mit geringem Einkommen abzufedern: «Die Grundversorgung muss erschwinglich bleiben», mahnte er. Eine Koalitions-Taskforce aus CDU/CSU und SPD verhandelt inzwischen verstärkt über Folgen für Landwirtschaft und Lebensmittelpreise; Vertreter von Bauernverband, Raiffeisenverband, Handel und Verbraucherorganisationen sollen Lage und Maßnahmen prüfen.

Ausblick

Ökonomen und Branchenvertreter erwarten, dass sich der Trend noch verstärken kann, falls die Energiepreise weiter steigen oder Lieferketten zusätzlich belastet werden. Für Handelsketten bedeutet das: Preispolitik und Wahrnehmung als Preisführer werden zunehmend über Gewinner und Verlierer entscheiden. Für Verbraucher heißt es, Alltag und Budget neu auszutarieren – und für die Politik, die soziale Stabilität in Zeiten steigender Kosten zu sichern.

Quellen der Auswertung: Accurat, NIM, IFH Köln sowie Statements von Branchenvertretern und politischen Verantwortlichen

Der Bericht stützt eine Nachricht von: fr.de

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