Depot halbiert Filialnetz und entlässt 330 Mitarbeiter
Depot reduziert Filialnetz drastisch und setzt 330 Beschäftigte frei
Aschaffenburg — Die Handelskette Depot steht erneut vor einem schweren Einschnitt: Betreiberin GDC Deutschland GmbH hat angekündigt, das Filialnetz von 155 auf 50 Standorte zu verkleinern und 330 Stellen zu streichen. Betroffen sind 220 Beschäftigte in den Läden sowie 110 Mitarbeiter in Zentrale und Außendienst.
Das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung läuft seit Mai 2026 am Amtsgericht Aschaffenburg; Sachwalter ist Thomas Rittmeister. Für Depot ist dies die zweite Insolvenz binnen kurzer Zeit. Bereits 2024 hatte das Unternehmen rund 250 Filialen geschlossen, damals fielen etwa 2.000 Arbeitsplätze weg.
Finanziell spitzt sich die Lage für die Beschäftigten zu: Die Juli-Gehälter waren noch durch Insolvenzgeld gesichert. Ab August wird das Unternehmen jedoch keine Zahlungen mehr leisten, wodurch viele Mitarbeiter kurzfristig ohne Einkommensquelle dastehen können.
Gründe und Folgen
Hinter der erneuten Schieflage stehen mehrere Faktoren: gestiegene Importzölle, eine spürbare Kaufzurückhaltung der Kundinnen und Kunden und zunehmender Druck durch internationale Onlineplattformen. Anbieter wie Temu und Shein haben den Wettbewerb verschärft und die Margen im stationären Handel weiter gedrückt.
Arbeitnehmervertreter stehen nun vor der Aufgabe, sozialverträgliche Lösungen auszuhandeln. Verhandlungen über Sozialpläne und Interessenausgleiche dürften in den kommenden Wochen an Bedeutung gewinnen, um Härten für die Betroffenen abzufedern.
Kontext im Handel
Depot ist nicht das einzige Unternehmen in Schwierigkeiten. Anfang August meldete die Traditionsbäckerei Wahl Insolvenz in Eigenverwaltung an, 400 Beschäftigte und 54 Filialen sind betroffen. Zugleich könnte die geplante Übernahme von 38 Tegut-Märkten durch Edeka am Kartellamt scheitern; Experten warnen bei einem Scheitern vor dem Verlust von bis zu 1.100 Arbeitsplätzen inklusive Logistik und Produktion.
Für die Regionen und Beschäftigten bedeutet die Entwicklung eine weitere Belastung eines ohnehin angespannten Arbeitsmarkts im Einzelhandel. Entscheidungen zu Schließungen, Verlagerungen und möglichen Auffanglösungen werden die kommenden Wochen prägen.
Die zuständigen Gerichte, Sachwalter und Betriebsräte stehen nun vor der Herausforderung, die wirtschaftliche Restrukturierung mit sozialem Ausgleich zu verbinden und Perspektiven für die verbliebenen 50 Standorte zu schaffen.