Burgenlands zögerliche Erholung: Handelsplus trifft auf wachsende Arbeitslosigkeit
Handelsaufschwung steht unter dem Druck schwacher Beschäftigungszahlen
Eisenstadt — Erste positive Signale aus dem burgenländischen Handel trüben nicht die wachsende Sorge um den Arbeitsmarkt. Die Sparte Handel der Wirtschaftskammer meldet für das vergangene Jahr ein reales Wachstum von zwei Prozent und nominelle Umsatzsteigerungen von 3,5 Prozent auf rund sieben Milliarden Euro. Hinter dem Aufschwung standen vor allem Großhandel und Kfz-Wirtschaft, während der Einzelhandel real leicht zurückging.
Spartenobmann Alexander Fischer bewertet die Entwicklung als ersten Lichtblick nach schwierigen Jahren, warnt aber zugleich vor anhaltendem Druck durch internationalen Wettbewerbsdruck und Onlineplattformen. Für eine nachhaltige Erholung brauche es stabile und faire Rahmenbedingungen, so Fischer.
Arbeitsmarkt zeigt ein heterogenes Bild
Die Beschäftigungsdaten zeichnen ein gespaltenes Bild: Ende Februar waren etwas mehr als 12 500 Personen beim AMS Burgenland als arbeitslos gemeldet oder in Schulungen, ein Anstieg von 4,3 Prozent im Jahresvergleich. Die Zahl der vorgemerkten Arbeitslosen kletterte auf über 10 500 Personen, ein Plus von 5,3 Prozent. Insgesamt ging die Zahl der unselbstständig Beschäftigten leicht zurück.
- Deutliche Zuwächse gab es bei den über 60-Jährigen, deren Arbeitslosigkeit um 12,7 Prozent anstieg.
- Die Zahl der Langzeitarbeitslosen wuchs um 11,3 Prozent, Personen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen um 4,7 Prozent.
- Branchenbetrachtung: Bau meldete mit plus 16,7 Prozent den größten Zuwachs, wobei ungünstige Witterung allein 305 zusätzliche Arbeitslose brachte.
Regional verzeichneten Oberpullendorf sowie Stegersbach und Jennersdorf die stärksten Anstiege, Mattersburg verzeichnete einen leichten Rückgang von 0,9 Prozent. Bei den offenen Stellen führt der Handel mit 215 Meldungen, gefolgt von Arbeitskräfteüberlassern mit 161 offenen Positionen. Auf dem Lehrstellenmarkt stehen 123 suchenden Jugendlichen 142 Angebote gegenüber.
Unsicherheiten dämpfen die Stimmung
AMS-Landesgeschäftsführerin Helene Sengstbratl weist auf geopolitische Risiken hin und betont, dass der Konflikt im Nahen Osten sowie die dadurch erhöhte globale Unsicherheit die jüngst positiven Signale deutlich schwächen könnten. Demgegenüber sehen wirtschaftliche Institute wie das WIFO die begonnene Konjunkturerholung als fortsetzungsfähig für dieses und das kommende Jahr. Für Unternehmen und Politik bleibt die Herausforderung, aus dem Handelsaufschwung eine breite, beschäftigungswirksame Erholung zu machen.
Die Lage im Burgenland bleibt somit ambivalent: Wachstum in wichtigen Handelssparten trifft auf eine steigende Zahl vulnerabler Arbeitslosengruppen. Kurzfristige Erfolge eröffnen Chancen, langfristige Stabilität der Beschäftigung erfordert jedoch gezielte Maßnahmen und günstige Rahmenbedingungen.