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61-Jähriger aus Nidderau bleibt arbeitslos: Wie Ageismus Kompetenz aus dem Arbeitsmarkt drängt

29. Mai 2026

Erfahrung wird zum Hindernis auf dem Arbeitsmarkt

Nidderau — Christian G. Freund ist 61 Jahre alt und seit September arbeitslos. Trotz rund 20 Jahren in Leitungsfunktionen als Niederlassungsleiter, Regionalleiter und Geschäftsführer hat der gelernte Einzelhandelskaufmann bislang kaum eine Chance auf eine neue Stelle gefunden. Etwa 120 Bewerbungen dokumentiert er penibel in einer Excel-Tabelle, echte Gespräche lassen sich an einer Hand abzählen.

Freund spricht offen von Vorurteilen gegenüber älteren Bewerbern. «Vielleicht sortiert eine KI die Unterlagen aus. Vielleicht schaut man nur auf das Geburtsdatum», sagt er. Arbeitgeber nannten das Alter zwar selten als Begründung, doch die Wirkung sei dieselbe: zu teuer, zu unflexibel, zu dominant, lautet das gängige Urteil, das auch Karriereberater bestätigen. Forschende bezeichnen dieses Phänomen als Ageismus.

Die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit bestätigt den schwierigen Wiedereinstieg älterer Beschäftigter. In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage sei es für alle Bewerbergruppen schwieriger, eine neue Stelle zu finden, heißt es. Verlören Beschäftigte jenseits der 50 ihren Job, hätten sie es jedoch deutlich schwerer, wieder Fuß zu fassen.

Freund betont seine Einsatzbereitschaft und Gesundheit. «Ich habe mich vom Arzt durchchecken lassen und bin kerngesund. Ich bin flexibel und würde auch Schichtarbeit übernehmen», erklärt er. Er bewirbt sich breit: vom Vertrieb über Logistik und Sicherheitsdienst bis hin zu ungewöhnlichen Optionen wie Museumspädagogik oder sogar Trauerbegleitung. Die Absagen folgen dennoch reihum.

Wirtschaftliche Sorgen wachsen: Läuft der Anspruch auf Arbeitslosengeld aus, müssten Ersparnisse angegriffen werden, im schlimmsten Fall drohe Grundsicherung. Freund sieht darin ein Paradox: Während in Deutschland um längere Arbeitszeiten diskutiert werde, fühle er sich mit der Sechs vor der Lebenszahl schon vom Markt ausgeschlossen.

Personaler und Vermittler sind ihm nicht völlig verschlossen: Headhunter haben sich gemeldet, auch Onlineprofile existieren. Doch aus Sicht des Bewerbers sind klassische Vermittlungswege oft unzureichend. Die Bundesagentur verweist darauf, dass ihre Förderinstrumente grundsätzlich allen Altersgruppen offenstünden, spezielle Angebote nur in begrenztem Umfang existierten.

Der Fall Freund steht exemplarisch für eine Debatte, die in der öffentlichen Wahrnehmung oft zurücktritt: Wie lässt sich Fachkräftemangel mit dem Schutz vor Altersdiskriminierung verbinden? Politik, Wirtschaft und Arbeitsvermittlung stehen vor der Aufgabe, klare Signale gegen Ageismus zu setzen und gleichzeitig die Potenziale älterer Beschäftigter besser nutzbar zu machen.

Der Bericht stützt eine Nachricht von: op-online.de
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